Warum IT-Sicherheit ein dankbares Bachelorarbeit-Thema ist
IT-Sicherheit ist längst kein Nischenthema mehr. Ransomware legt Mittelständler lahm, Lieferketten hängen an unsicheren APIs, Mitarbeitende arbeiten halb im Büro, halb im Homeoffice – und irgendwo dazwischen versucht eine überlastete IT „alles sicher zu halten“.
Genau hier liegt Ihre Chance, wenn Sie vor einer Bachelorarbeit in der IT-Sicherheit stehen. Sie arbeiten nicht über ein theoretisches Randgebiet, sondern über ein Thema, das Vorstände nachts wach hält – und zwar in jeder Branche.
In meiner Beratungszeit habe ich immer wieder erlebt: Unternehmen suchen händeringend Nachwuchs, der praktisch denkt. Keine 200-Seiten-Theorie, die im Regal verstaubt, sondern Ergebnisse, mit denen sich Prozesse, Tools oder Awareness wirklich verbessern lassen.
In diesem Beitrag zeige ich Ihnen:
Aktuelle Trends in der IT-Sicherheit: Wo sich ein genauer Blick lohnt
Wenn Sie ein Thema suchen, hilft ein Blick darauf, was sich in IT-Abteilungen und Geschäftsleitungen gerade stapelt. Einige Trends begegnen mir im Mittelstand aktuell ständig:
In all diesen Themenfeldern steckt Stoff für Bachelorarbeiten, die sowohl technisch als auch organisatorisch oder prozessual ausgerichtet sein können – je nach Ihrem Profil.
Praxisnahe Themenideen: Was Unternehmen wirklich spannend finden
In vielen Abschlussarbeiten, die ich in Unternehmen gesehen habe, lag der Unterschied zwischen „nett“ und „wow“ in einem Punkt: Praxisnähe. Das heißt nicht, dass Sie wissenschaftliche Tiefe opfern sollen. Aber Sie schreiben nicht im luftleeren Raum.
Einige konkrete Ideen, die Sie – je nach Fachhochschule oder Uni – anpassen können:
Cloud & Infrastruktur-Sicherheit
Forschungsidee: Untersuchen Sie die bestehende Cloud-Umgebung (z. B. Azure-Tenant eines Unternehmens) hinsichtlich:
Ergebnis könnte ein Maßnahmenkatalog mit Priorisierung nach Aufwand/Nutzen sein.
Forschungsidee: Entwickeln Sie ein Referenzmodell für Zero Trust für ein konkretes Unternehmen oder eine Beispielarchitektur. Schwerpunkt:
Sie könnten eine Ist-Analyse, ein Zielbild und eine Roadmap erarbeiten.
OT- und IoT-Sicherheit im industriellen Umfeld
Forschungsidee: In vielen Werken laufen SPS, SCADA-Systeme und Windows-Server, die längst aus dem Support raus sind. Sie können z. B.:
Spannend für jedes produzierende Unternehmen.
Forschungsidee: Untersuchen Sie eine konkrete IoT-Lösung (Sensoren, Gateways, Cloud-Plattform) und analysieren Sie:
Resultat: Sicherheitsrichtlinien und ein „Security-by-Design“-Leitfaden.
Identitäts- & Zugriffsmanagement (IAM)
Forschungsidee: Viele Firmen verteilen Rechte über Jahre ad hoc – bis keiner mehr versteht, wer was darf. Sie könnten:
Für das Unternehmen können daraus konkrete Bereinigungsmaßnahmen entstehen.
Forschungsidee: Untersuchen Sie, inwieweit Passwordless-Lösungen klassische Passwörter in einem Unternehmen ersetzen können. Schwerpunkte:
Optional: Pilotprojekt mit einer kleinen Nutzergruppe.
Menschlicher Faktor & Security Awareness
Forschungsidee: Führen Sie – falls organisatorisch möglich – Phishing-Simulationen durch (oder werten Sie historische Daten aus) und prüfen:
Am Ende steht ein optimiertes Awareness-Konzept.
Forschungsidee: Klassische Sicherheitsrichtlinien sind oft juristisch, lang, unverständlich. Analysieren Sie bestehende Richtlinien und entwickeln Sie ein Kommunikations- und Designkonzept:
Sie können Wirksamkeit über Interviews oder kurze Umfragen testen.
Recht, Compliance & Managementsysteme
Forschungsidee: Viele Unternehmen sind unsicher, ob und wie NIS2 sie betrifft. Sie können für ein Beispielunternehmen:
Hoher Praxiswert, besonders für regulierte Branchen.
Forschungsidee: Viel Literatur orientiert sich an Konzernen. Entwickeln Sie einen schlanken Ansatz, wie ein kleines Unternehmen ein Informationssicherheits-Managementsystem (ISMS) pragmatisch einführen kann:
Eine praxisorientierte Checkliste kann hier zum Kern Ihrer Arbeit werden.
Wie Sie ein Thema finden, das zu Ihnen (und zur Praxis) passt
Bevor Sie sich auf ein Thema stürzen, stellen Sie sich drei einfache Fragen:
Lieben Sie Code, Tools, Skripte – oder eher Konzepte, Prozesse, Organisation? Eine ehrliche Antwort erspart Ihnen viel Frust.
Haben Sie Kontakt zu einem Unternehmen (Werkstudentenjob, Praktikum, Familie, Bekannte), das Einblick gewähren könnte? Ein Praxispartner erhöht die Relevanz Ihrer Arbeit deutlich.
Sie verbringen Monate mit dem Thema. Wenn Sie sich schon beim Lesen des ersten Fachartikels langweilen, ist es das falsche Feld.
Ich habe in der Beratung viele Bachelor- und Masterarbeiten begleitet. Die erfolgreichsten hatten eines gemeinsam: Die Studierenden haben früh mit einem realen Unternehmen gesprochen – nicht erst, wenn das Thema schon zementiert war. Manchmal entstand das eigentliche Kernthema erst im zweiten Gespräch, wenn klar war, wo tatsächlich ein Problem drückt.
Struktur einer überzeugenden Bachelorarbeit in IT-Sicherheit
Die formalen Vorgaben kommen von Ihrer Hochschule. Trotzdem folgt eine gute IT-Sicherheitsarbeit meist einem ähnlichen roten Faden:
Was ist das konkrete Sicherheitsproblem? Warum ist es relevant – technisch, wirtschaftlich, organisatorisch? Wenn Sie hier einen realen Vorfall schildern (anonymisiert), sind Leser sofort „drin“.
Was wollen Sie genau erreichen? Beispiele:
Formulieren Sie 2–4 präzise Forschungsfragen. Sie sind der rote Faden Ihrer Arbeit.
Hier erklären Sie die wichtigsten Begriffe und Modelle: z. B. Zero Trust, IAM, ISO 27001, Bedrohungsmodelle, Kryptografie-Basics. Ziel: Jeder mit IT-Hintergrund soll Ihnen folgen können, ohne selbst Experte in Ihrem Spezialthema zu sein.
Wie gehen Sie vor? Typische Ansätze in IT-Sicherheitsarbeiten sind:
Wichtig: Machen Sie transparent, was Sie nicht untersuchen – sonst wird der Rahmen schnell zu groß.
Das ist das Herz Ihrer Arbeit:
Wie gut funktionieren Ihre Vorschläge oder Ihr Prototyp in der Praxis? Wo liegen Grenzen (z. B. fehlende Daten, begrenzter Testumfang, Zeitrahmen)? Wenn Sie an dieser Stelle ehrlich sind, wirkt Ihre Arbeit nur glaubwürdiger.
Hier kommt die Brücke zur Unternehmenspraxis: Welche nächsten Schritte wären sinnvoll? Was könnten künftige Arbeiten vertiefen? Gerade Unternehmen schätzen diese „To-do-Liste“ sehr.
Praxispartner finden und richtig einbinden
Viele Studierende unterschätzen, wie offen Unternehmen für Abschlussarbeiten sind – vor allem im Bereich IT-Sicherheit. Dort fehlt oft schlicht die Zeit, um Themen in Ruhe auszuarbeiten. Sie kommen mit frischer Perspektive, Zeit und Fokus.
Ein paar pragmatische Tipps aus Unternehmenssicht:
Statt genereller Mails à la „Ich suche ein Thema für meine Bachelorarbeit“, formulieren Sie konkret:
Das signalisiert Ernsthaftigkeit und spart den Unternehmen Zeit.
IT-Sicherheit ist sensibel. Vereinbaren Sie früh, welche Daten Sie verwenden dürfen, wie stark anonymisiert wird und ob Teile Ihrer Arbeit intern bleiben. Viele Unternehmen sind eher bereit, Einblick zu geben, wenn sie wissen, dass keine kritischen Details in der öffentlichen Version auftauchen.
Statt monatelang „im stillen Kämmerlein“ zu schreiben, vereinbaren Sie kurze, regelmäßige Status-Updates (30 Minuten alle zwei, drei Wochen). So stellen Sie sicher, dass Ihre Richtung weiterhin zu den Bedürfnissen des Unternehmens passt.
Typische Fallstricke – und wie Sie sie vermeiden
Viele Arbeiten scheitern nicht an mangelnder Intelligenz, sondern an mangelnder Fokussierung. Aus der Praxis kenne ich vor allem diese Stolpersteine:
„IT-Sicherheit in der Cloud“ ist als Bachelorarbeit nicht machbar. Eingrenzung macht Sie stärker, nicht schwächer. Beispiel: „Bewertung von Identity- und Access-Management-Maßnahmen in einer bestehenden Azure-Umgebung eines mittelständischen Unternehmens“.
Sie mögen ein bestimmtes SIEM-Tool, eine Security-Suite oder einen Scanner? Gut. Aber die Arbeit sollte nicht zur Produkttour werden. Stellen Sie immer die Forschungsfragen in den Mittelpunkt – Tools sind Mittel zum Zweck.
Wenn Zielsetzung und Ergebnis nicht klar aufeinander verweisen, wirkt die Arbeit zerfasert. Prüfen Sie immer wieder: Helft das, meine Forschungsfragen zu beantworten? Wenn nicht, ist es zwar vielleicht interessant, aber nicht notwendig.
Wenn Sie etwas implementieren, testen oder messen: Dokumentieren Sie nachvollziehbar, wie. Screenshots, Diagramme, Konfigurationsauszüge (anonymisiert) sind hilfreich – aber klar strukturiert und kommentiert.
Wie Sie Komplexität verständlich machen – auch für Nicht-Techies
In vielen Unternehmen lesen nicht nur Admins oder IT-Leiter Ihre Arbeit, sondern auch Geschäftsführer oder Bereichsleiter. Der größte Mehrwert entsteht, wenn Sie es schaffen, hochkomplexe Themen greifbar zu machen.
Ein paar erprobte Vorgehensweisen:
Ein sauber gezeichnetes Netzwerk- oder Rollenmodell wirkt Wunder. Nutzen Sie einheitliche Symbole und eine klare Legende. Wenn man „auf einen Blick“ versteht, wo Daten fließen und wo Risiken liegen, haben Sie viel gewonnen.
Statt abstrakt über „Zugriffsrechte“ zu reden, nehmen Sie eine typische Rolle: „Vertriebsmitarbeiterin Müller“. Was darf sie heute, was sollte sie dürfen, wie sähe ihr Zugriff in einem sauberen RBAC-Modell aus?
Statt nur mit CVSS-Scores oder technischen Exploits zu argumentieren, ergänzen Sie immer: Was bedeutet das für den Betrieb? Stillstand, Reputationsschäden, Compliance-Risiken, Vertragsstrafen – das sind Größen, mit denen Management arbeitet.
Was Sie aus einer guten Bachelorarbeit in IT-Sicherheit mitnehmen
Eine sauber durchdachte, praxisnahe Bachelorarbeit in IT-Sicherheit ist mehr als eine Abschlussprüfung. Sie kann:
Wenn ich heute mit Geschäftsführern und IT-Leitern spreche, höre ich oft denselben Satz: „Wir brauchen Leute, die Sicherheitsprobleme verstehen und sie unternehmerisch einordnen können.“
Genau das können Sie mit Ihrer Bachelorarbeit zeigen: dass Sie nicht nur Bits und Bytes durchdringen, sondern auch verstehen, was Risiko, Kosten, Prozesse und Menschen damit zu tun haben.
Wenn Sie dieses Ziel im Blick behalten, haben Sie beste Chancen, dass Ihre Bachelorarbeit in IT-Sicherheit nicht nur ein Pflichtdokument wird, sondern Ihr erstes echtes Projekt in der Geschäftswelt.