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Low-code- und no-code-plattformen: digitale projekte im b2b schneller realisieren und it-resourcen entlasten

Low-code- und no-code-plattformen: digitale projekte im b2b schneller realisieren und it-resourcen entlasten

Low-code- und no-code-plattformen: digitale projekte im b2b schneller realisieren und it-resourcen entlasten

Vor ein paar Jahren saß ich mit einem IT-Leiter eines mittelständischen Industriebetriebs in einem Meetingraum voller Flipcharts. Auf einem stand groß: „Digitalisierung – 47 offene Projekte“. Darunter ein kleiner Kommentar in Rot: „…und 5 Entwickler“.

Wenn Ihnen dieses Bild bekannt vorkommt, sind Low-Code- und No-Code-Plattformen wahrscheinlich kein Hype-Thema mehr, sondern eine sehr konkrete Hoffnung. In vielen B2B-Unternehmen stauen sich digitale Vorhaben, weil IT-Ressourcen knapp sind, Fachbereiche ungeduldig werden und klassische Softwareprojekte zu lange dauern.

Genau hier setzen Low-Code- und No-Code-Ansätze an: Sie versprechen, digitale Lösungen schneller zu liefern – und dabei die IT zu entlasten, statt sie zu überfahren.

Was Low-Code und No-Code im Kern wirklich sind

Bevor wir über Strategien sprechen, eine kurze Klarstellung – ohne Marketing-Blabla.

Low-Code bedeutet: Anwendungen werden überwiegend visuell zusammengesetzt (per Drag & Drop, Konfiguration, Bausteine), aber es gibt immer noch die Möglichkeit, eigenen Code zu ergänzen – zum Beispiel für komplexe Logik oder Integrationen.

No-Code bedeutet: Anwendungen werden komplett ohne klassische Programmierung erstellt. Fachanwender arbeiten mit Formularbaukästen, Workflows, vorgefertigten Integrationen und Regeln, meist über eine sehr nutzerfreundliche Oberfläche.

Entscheidend ist nicht die Wortklauberei zwischen „low“ und „no“, sondern was sich dadurch in der Praxis ändert:

Oder anders: Low-Code/No-Code sind keine Zauberstäbe, aber sehr gute Hebel, um begrenzte IT-Ressourcen sinnvoll zu verstärken.

Warum Low-Code/No-Code gerade im B2B spannend ist

Im B2B-Umfeld gibt es einige typische Rahmenbedingungen, die Low-Code-Ansätze besonders attraktiv machen:

Low-Code/No-Code schließt hier eine Lücke zwischen „Excel-Bastellösungen“ und „großem IT-Projekt“.

Ich sehe in Projekten immer wieder den gleichen Effekt: Wenn Fachbereiche erstmals erleben, dass ihre Idee innerhalb von zwei Wochen als klickbarer Prototyp vorliegt, verändert sich das Mindset. Statt „IT als Bremsklotz“ entsteht „gemeinsam schnell bauen“.

Typische Einsatzszenarien im B2B – wo sich der Einstieg lohnt

Nicht jeder Prozess eignet sich für Low-Code – aber es gibt einige „Sweet Spots“, die fast in jedem B2B-Unternehmen zu finden sind.

1. Angebots- und Auftragsprozesse

In vielen Unternehmen laufen Angebotsfreigaben oder Sonderkonditionen noch über E-Mails und Excel-Listen.

Ein Maschinenbauer, den ich begleitet habe, konnte den Zeitraum von der Angebotsanfrage bis zum freigegebenen Angebot um rund 30 % reduzieren – allein durch einen Low-Code-Workflow, der Excel und E-Mail-Ketten ersetzt hat.

2. Service- und Reklamationsmanagement

Gerade im After-Sales liegen oft große Potenziale:

No-Code-Plattformen ermöglichen es Serviceteams, eigene Formulare, Dashboards und Auswertungen zu bauen, ohne jedes Mal die IT anzurufen.

3. Interne Verwaltungsprozesse

Reiseanträge, Genehmigungen, Bestellfreigaben, Onboarding neuer Mitarbeiter – all das sind Prozesse, die selten strategisch sind, aber viel Zeit kosten.

Low-Code/No-Code eignet sich hervorragend, um diese Abläufe zu digitalisieren und zu standardisieren, ohne lange Pflichtenhefte zu schreiben.

4. Kunden- und Partnerportale

Viele B2B-Unternehmen wollen „irgendetwas Portalartiges“ bieten, scheitern aber an Budget und IT-Kapazität.

Mit Low-Code lassen sich schrittweise Portale aufbauen, z.B. zunächst nur:

Später können diese Portale dann enger mit ERP/CRM verzahnt werden – ohne dass man gleich mit einem Millionenprojekt starten muss.

Wie Low-Code/No-Code die IT entlastet – wenn man es richtig aufsetzt

Ein häufiger Reflex in IT-Abteilungen lautet: „No-Code? Dann basteln die Fachbereiche uns doch das ganze System kaputt.“ Die Sorge ist verständlich – Schatten-IT lässt grüßen.

Der Schlüssel liegt darin, Low-Code/No-Code nicht als parallele IT-Welt zu sehen, sondern als Teil der Unternehmens-IT.

Rollen klar definieren

In einem B2B-Handelsunternehmen, das ich beraten habe, wurden gezielt fünf Kollegen aus Vertrieb, Service und Logistik zu Citizen Developern aufgebaut. Die IT definierte Leitplanken und unterstützte bei Integrationen. Ergebnis nach zwölf Monaten: über 20 produktiv genutzte Micro-Anwendungen und Workflows – ohne eine einzige zusätzliche Entwicklerstelle.

IT-Fokus verschieben

Durch Low-Code/No-Code kann sich die IT stärker auf hochkomplexe Themen konzentrieren:

Die kleinteilige Anpassung von Formularen, Workflows oder Oberflächen geht hingegen schneller und teilweise direkt im Fachbereich.

Grenzen und Risiken – was Low-Code/No-Code nicht leisten sollte

So verlockend die Geschwindigkeit ist: Nicht jeder Prozess ist ein Kandidat für Low-Code. Drei Grenzen sehe ich immer wieder:

1. Hochkomplexe, performancekritische Kernprozesse

Wenn Ihr komplettes Geschäftsmodell an einem Prozess hängt (z.B. Echtzeit-Preisberechnung im Handel, hochkomplexe Produktionsplanung), ist eine individuell entwickelte, optimierte Lösung meist die bessere Wahl. Low-Code eignet sich hier eher für Ergänzungen, Monitoring-Apps oder begleitende Workflows.

2. Unscharfe Ownership

Gefährlich wird es, wenn Anwendungen entstehen, ohne dass klar ist:

Ohne klare Verantwortlichkeiten wird aus Low-Code schnell die nächste Generation von „kritischen Excel-Makros“, die niemand mehr versteht.

3. Sicherheits- und Compliance-Risiken

Spätestens bei personenbezogenen Daten, sensiblen Kundeninformationen oder regulatorischen Anforderungen darf nichts „heimlich“ gebaut werden. Plattformauswahl, Rechtekonzepte und Data Governance müssen zur Unternehmens-IT passen.

Die gute Nachricht: Moderne Low-Code/No-Code-Plattformen bieten oft sehr ausgereifte Sicherheits- und Governance-Funktionen – man muss sie nur konsequent konfigurieren.

Schritt für Schritt einführen – ohne das Unternehmen zu überrollen

Wer Low-Code/No-Code im B2B einführen will, steht schnell vor der Frage: „Wo fangen wir an?“ Hier ein pragmatischer Weg, der sich in der Praxis bewährt hat.

Mit einem klar umrissenen Pilotbereich starten

Wählen Sie einen Prozess, der folgende Kriterien erfüllt:

Typische Kandidaten: Genehmigungsprozesse im Vertrieb, Service-Tickets, interne Antragsprozesse.

Cross-funktionales Team bilden

Setzen Sie von Anfang an Fachbereich und IT an einen Tisch. Ein erfahrener Low-Code-Entwickler oder externer Partner kann den Start deutlich beschleunigen. Ziel: In 4–8 Wochen eine erste produktive Lösung – keine perfekte, aber eine nutzbare.

Früh Nutzern Feedback ermöglichen

Der größte Vorteil von Low-Code ist die Möglichkeit, sehr schnell etwas Klickbares zu zeigen. Nutzen Sie das konsequent:

In einem Industrieunternehmen haben wir z.B. einen Reklamationsprozess in drei Ausbaustufen umgesetzt: Zuerst nur einfache Erfassung, dann Statusverfolgung, später Auswertungen und Integrationen. Jede Stufe ging produktiv, sobald sie „gut genug“ war.

Governance und Standards – damit aus Tempo kein Chaos wird

Der Unterschied zwischen „produktiver Low-Code-Strategie“ und „bunter Bastelwiese“ heißt Governance. Und keine Sorge: Das ist weniger bürokratisch, als es klingt.

Einheitliche Plattform(en) statt Wildwuchs

Vermeiden Sie, dass jede Abteilung ihre eigene Lieblingsplattform einführt. Definieren Sie 1–2 strategische Low-Code-/No-Code-Plattformen, die von der IT getragen werden. Kriterien können sein:

Spielregeln transparent machen

Definieren Sie einfache Leitplanken, z.B.:

Solche Regeln passen auf wenige Seiten – entscheidend ist, dass sie verstanden und gelebt werden.

Citizen Developer gezielt fördern

Statt Fachanwender nur zu „dulden“, sollten Sie sie aktiv stärken:

In einigen Unternehmen, die Low-Code erfolgreich einsetzen, gibt es eine kleine interne „Enablement-Einheit“, die Fachbereiche bei ihren ersten Anwendungen begleitet. Der Effekt: hohe Geschwindigkeit, ohne Kontrollverlust.

Was sich kulturell verändert, wenn Low-Code ernst genommen wird

Low-Code/No-Code ist nicht nur eine Tool-Frage, sondern auch ein Kulturthema. Drei Beobachtungen aus Projekten:

1. Fachbereiche denken stärker in digitalen Prozessen

Wenn Fachbereiche selbst „Hand anlegen“ können, steigt das Verständnis für Prozessdesign, Datenqualität und Nutzerführung. Aus „IT soll mal“ wird „wie können wir das gemeinsam gestalten?“

2. IT wird mehr zum Enabler als zum Gatekeeper

Statt hauptsächlich Anfragen zu priorisieren und abzuwehren, kann die IT gestalten: Plattformen bereitstellen, Standards definieren, unterstützen. Das verbessert erfahrungsgemäß auch das Verhältnis zwischen Fachbereich und IT deutlich.

3. Fehler werden früher sichtbar – und damit korrigierbar

In klassischen Projekten werden Probleme oft erst spät entdeckt – wenn viel Zeit und Geld geflossen sind. Mit Low-Code-Prototypen können Sie früh sehen: Funktioniert der Prozess so im Alltag? Werden die richtigen Daten erfasst? Das reduziert teure Fehlentwicklungen.

Wie Sie den nächsten sinnvollen Schritt identifizieren

Wenn Sie Low-Code/No-Code im B2B als Chance sehen, aber noch nicht sicher sind, wo Sie anfangen sollen, helfen drei einfache Fragen:

Genau dort ist Low-Code/No-Code oft der ideale Hebel: schnell, risikoarm, iterativ. Und falls Sie sich fragen, ob Ihre IT „das mitmacht“: Binden Sie sie früh ein und positionieren Sie Low-Code bewusst als Entlastung, nicht als Konkurrenz.

Die Unternehmen, die ich erlebe, die hier konsequent vorangehen, haben eines gemeinsam: Sie sehen Low-Code/No-Code nicht als Abkürzung, um IT zu umgehen, sondern als Werkzeug, um gemeinsam besser zu werden – schneller, flexibler, näher am Kunden.

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