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Nachhaltigkeit im b2b: wie green-tech neue geschäftsmodelle ermöglicht und beschaffungskriterien verändert

Nachhaltigkeit im b2b: wie green-tech neue geschäftsmodelle ermöglicht und beschaffungskriterien verändert

Nachhaltigkeit im b2b: wie green-tech neue geschäftsmodelle ermöglicht und beschaffungskriterien verändert

Nachhaltigkeit im B2B war lange ein Thema für Imagebroschüren und CSR-Berichte – „nice to have“, aber weit weg vom Kerngeschäft. Diese Zeiten sind vorbei. Wer heute in Industrie, Großhandel oder Services unterwegs ist, merkt: Nachhaltigkeit entscheidet über Ausschreibungen, Margen, Finanzierung und Employer Branding. Und Green-Tech ist der Katalysator, der daraus völlig neue Geschäftsmodelle macht.

In den letzten Jahren habe ich in Beratungsprojekten immer wieder dasselbe Muster erlebt: Erst kommt der Druck von Kunden oder Regulierung, dann folgt der reflexartige Widerstand („zu teuer, zu kompliziert“), und plötzlich entdeckt das Management, dass sich damit sehr wohl Geld verdienen lässt – wenn man es richtig anstellt.

Warum Nachhaltigkeit im B2B plötzlich geschäftskritisch ist

Drei Treiber sorgen dafür, dass Nachhaltigkeit im B2B nicht mehr wegzudiskutieren ist:

Ein mittelständischer Maschinenbauer sagte mir vor Kurzem: „Bernd, wir machen das Nachhaltigkeitszeug doch nur, weil unsere drei größten Kunden jetzt CO₂-Daten verlangen.“ Ein Jahr später hatte er drei neue Großaufträge genau wegen dieser Kompetenz gewonnen. Was als Zwang begann, wurde zum Verkaufsargument.

Nachhaltigkeit ist im B2B deshalb so wirkmächtig, weil sie direkt in drei Kernbereiche eingreift:

Die spannende Frage ist weniger „Ob?“ als „Wie machen wir das profitabel?“. Genau hier kommt Green-Tech ins Spiel.

Wie Green-Tech neue Geschäftsmodelle ermöglicht

Green-Tech ist mehr als Solarmodule und Wärmepumpen. Im B2B-Kontext geht es um Technologien, die Ressourcen effizienter, Prozesse transparenter und Produkte kreislauffähiger machen – und damit ganz neue Geschäftsmodelle ermöglichen.

Ein paar typische Muster, die ich aktuell häufig sehe:

Viele Mittelständler unterschätzen, welches Geschäftsmodell-Potenzial in ihren Daten steckt. Ein Beispiel aus einem Projekt: Ein Zulieferer hatte seit Jahren detaillierte Produktions- und Qualitätsdaten, nutzte sie aber nur für Reklamationsfälle. Erst als wir CO₂-Kennzahlen integriert und ein Dashboard für Großkunden aufgebaut haben, wurde daraus ein differenzierendes Serviceangebot – inklusive Aufpreis.

Die wichtigste Frage, die Sie sich stellen sollten: „Wo erzeugen wir heute bereits Daten, die wir morgen in ein grünes Serviceangebot übersetzen können?“

Was sich in Beschaffung und Lieferantenbewertung ändert

Nachhaltigkeit verändert nicht nur, was verkauft wird, sondern auch, wie eingekauft wird. Besonders im B2B-Bereich drehen viele Unternehmen ihre Einkaufslogik gerade auf links.

Typische Veränderungen in Beschaffungsabteilungen:

In einem Industrieunternehmen, das ich begleitet habe, hat der Einkauf eine einfache, aber wirkungsvolle Regel eingeführt: Bei vergleichbaren Angeboten bekommt die Variante mit dem besseren CO₂-Profil den Zuschlag – selbst wenn sie bis zu 3 % teurer ist. Das Ergebnis nach zwei Jahren: leicht gestiegene Einstandspreise, aber spürbar niedrigere Energie- und Entsorgungskosten sowie bessere ESG-Scores in Kunden-Audits.

Für Lieferanten bedeutet das: Nachhaltigkeit wird zu einem formalen Beschaffungskriterium, ähnlich wie Qualität und Lieferzuverlässigkeit. Wer seine Hausaufgaben nicht macht, verliert nicht übermorgen, sondern heute Aufträge.

Besonders relevant werden:

Green-Tech-Lösungen helfen hier nicht nur beim Messen, sondern auch beim Steuern: Energie-Management-Systeme, Materialfluss-Tracking, IoT-basierte Monitoring-Lösungen machen aus Bauchgefühl belastbare Kennzahlen. Und genau die wollen Einkäufer sehen.

Praxisbeispiele aus dem B2B-Alltag

Theorie ist schön, aber im Alltag entscheiden oft pragmatische Lösungen. Drei Beispiele, die mir in den letzten zwei Jahren besonders im Kopf geblieben sind:

1. Der „graue“ Mittelständler, der plötzlich ESG-Vorzeigeprojekt wurde

Ein Zulieferer aus der Metallverarbeitung (klassischer Hidden Champion, 600 Mitarbeiter) stand unter Druck: Ein Automotive-Großkunde drohte, die Zusammenarbeit zu beenden, wenn keine CO₂-Daten und ESG-Strategie geliefert würden.

Der Weg, den wir gewählt haben:

Nach 12 Monaten hatte das Unternehmen nicht nur den Kunden gehalten, sondern konnte aktiv mit „CO₂-optimierter Fertigung“ in Neukundengespräche gehen. Und: Die identifizierten Effizienzmaßnahmen senkten die Energiekosten um rund 8 % – ganz ohne große Investitionsoffensive.

2. Der Logistiker, der seine Routen mit CO₂-Preisschild versieht

Ein B2B-Logistiker führte eine Software ein, die jede Transportoption mit einem CO₂-Wert versieht – zusätzlich zu Preis und Laufzeit. Kunden sehen im Angebot nun: Standardroute, Expressroute oder „Green Route“ mit geringeren Emissionen.

Spannend war die Erkenntnis: Ein Teil der Kunden akzeptiert längere Lieferzeiten oder leichte Mehrkosten, wenn sie diese Entscheidung transparent treffen können. Für den Vertrieb ein völlig neues Argumentationsfeld – und für die IT die Chance, sich als Enabler im Vertrieb zu positionieren.

3. Die Einkaufsabteilung, die Nachhaltigkeit „eingeübt“ hat

In einem produzierenden Unternehmen im B2B-Bereich hat der Einkauf interne „ESG-Sparrings“ eingeführt: Bei jeder größeren Ausschreibung wird eine Stunde reserviert, um die Nachhaltigkeitsaspekte bewusst durchzudiskutieren.

Fragen sind dabei u.a.:

Das hat die Kultur verändert: Nachhaltigkeit ist kein „Anhängekapitel“ der Ausschreibungsunterlagen mehr, sondern Teil der eigentlichen Beschaffungsentscheidung. Und die Lieferanten spüren das sehr deutlich.

So starten Sie pragmatisch in Richtung Green-Tech & nachhaltige Beschaffung

Vieles klingt nach Großkonzern-Projekt – ist es aber nicht zwingend. Aus meiner Sicht haben sich fünf pragmatische Schritte bewährt, gerade für Mittelständler:

Ausblick: Vom Pflichtprogramm zum Wettbewerbsvorteil

Nachhaltigkeit im B2B wird in den nächsten Jahren nicht einfacher – aber deutlich normaler. Ähnlich wie Qualitätsmanagement in den 90er-Jahren wird sie vom Spezialthema zum Hygienefaktor. Der Unterschied: Mit Green-Tech entstehen gleichzeitig echte Innovationsfelder.

Unternehmen, die früh beginnen, Nachhaltigkeit und Technologie strategisch zu verbinden, profitieren dreifach:

Die entscheidende Haltung ist dabei weniger moralisch als unternehmerisch: Nachhaltigkeit nicht als moralische Pflicht, sondern als Innovationsraum zu sehen. Oder, wie es ein Geschäftsführer in einem Workshop formuliert hat: „Wenn wir schon umbauen müssen, dann so, dass wir in fünf Jahren vorne sind – und nicht nur regelkonform hinterherlaufen.“

Wenn Sie heute damit beginnen, systematisch Green-Tech-Potenziale zu heben und Nachhaltigkeit in Ihre Beschaffungs- und Vertriebslogik zu integrieren, bauen Sie genau diesen Vorsprung auf. Nicht über Nacht, aber Schritt für Schritt – pragmatisch, messbar und mit klarer Wirkung auf Ihr Geschäft.

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