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Account-based marketing neu gedacht: wie sie schlüsselkunden noch präziser ansprechen und langfristig binden

Account-based marketing neu gedacht: wie sie schlüsselkunden noch präziser ansprechen und langfristig binden

Account-based marketing neu gedacht: wie sie schlüsselkunden noch präziser ansprechen und langfristig binden

Wenn ich heute in Workshops nachfrage, wer bereits Account-based Marketing (ABM) macht, gehen viele Hände hoch. Fragt man dann nach, wie viele Vertriebs- und Marketingteams wirklich gemeinsam, mit klarer Account-Strategie und messbarer Wirkung arbeiten, wird es schnell still.

Zwischen „Wir haben eine ABM-Software gekauft“ und „Wir sprechen unsere Schlüsselkunden präzise, individuell und langfristig wirksam an“ liegt ein ziemlich breiter Graben.

In diesem Artikel geht es darum, wie Sie ABM neu denken können – weg von Tool-getriebenen Kampagnen, hin zu einem Ansatz, der Ihre Schlüsselkunden wirklich versteht, präzise adressiert und systematisch bindet.

Warum klassisches ABM oft hinter den Erwartungen zurückbleibt

Auf dem Papier klingt ABM perfekt für B2B: Wenige, aber wertvolle Schlüsselkunden, komplexe Entscheidungsprozesse, lange Sales-Zyklen. In der Praxis beobachte ich allerdings immer wieder drei Muster, die den Erfolg bremsen:

1. ABM wird als Marketing-Kampagne verstanden – nicht als Go-to-Market-Strategie.

Marketing baut hübsche, personalisierte Ads und Landingpages, der Vertrieb macht weiter wie bisher. Es gibt ein paar „ABM-Kampagnen“, aber keinen gemeinsamen Business Case für den Account, keine abgestimmte Roadmap, keine geteilten KPIs. Ergebnis: viel Aktivität, wenig Wirkung.

2. Personalisierung bleibt oberflächlich.

„Hallo Herr Müller, wir kennen Ihre Herausforderungen im Maschinenbau…“ – aus Kundensicht ist das maximal freundlich, aber selten relevant. Statt echter Einsichten in Marktlogik, internen Druck und politische Dynamiken im Account, wird oft nur Branchen-Bullshit-Bingo betrieben. Das durchschauen Ihre Schlüsselkunden sofort.

3. ABM zielt zu stark auf Abschlüsse, zu wenig auf Bindung.

Viele Programme enden faktisch mit der Unterschrift. Renewal, Cross- und Upselling werden dann wieder eher zufällig oder vom „Jahresgespräch“ abhängig gemacht. Dabei beginnt an dieser Stelle der eigentliche Hebel des Account-based Denkens: langfristige Wertschöpfung auf beiden Seiten.

ABM neu zu denken heißt deshalb: weniger Kampagnenlogik, mehr Account-Logik. Weniger „Was können wir senden?“, mehr „Wie können wir helfen, dass dieser Kunde sein Geschäft besser macht?“

Vom Funnel zur gemeinsamen Roadmap mit dem Kunden

Ein Bild, das meinen Kunden hilft: Hören Sie auf, in Kampagnen-Funnels zu denken. Denken Sie in gemeinsamen Roadmaps mit Ihren Schlüsselkunden.

Ein Funnel stellt die Frage: „Wie bekommen wir den Kunden am effizientesten von Awareness zu Purchase?“

Eine gemeinsame Roadmap fragt: „Wie entwickeln wir dieses Unternehmen in den nächsten 3–5 Jahren weiter, und welche gemeinsame Rolle spielen wir darin?“

Die Folge ist ein Perspektivwechsel:

ABM wird so zum verbindenden Rahmen, in dem Vertrieb, Marketing, Customer Success und – ja – manchmal auch das Produktteam gemeinsam Verantwortung für wenige, aber entscheidende Kunden übernehmen.

Drei Präzisionshebel, mit denen ABM wirklich scharf wird

Wie erreichen Sie nun die versprochene „Laserpräzision“ in der Ansprache von Schlüsselkunden – ohne dass Ihr Team im Aufwand versinkt? Aus meiner Erfahrung sind es drei Hebel, an denen Sie zuerst drehen sollten.

Präzisionshebel 1: Daten & Insights – vom Profil zur „Account Story“

Viele Unternehmen sammeln heute brav Daten zu ihren Schlüsselkunden. Nur: Ein Datenfriedhof ist noch keine Strategie. Entscheidender ist die Frage: Welche Geschichte erzählen die Daten gemeinsam?

Hilfreich ist, für jeden Prioritäts-Account eine kompakte „Account Story“ zu erarbeiten, die mehr ist als ein Steckbrief. Drei Kernbausteine haben sich bewährt:

Diese „Account Story“ führen Sie laufend fort – wie ein lebendes Dokument. Alle wesentlichen Kundengespräche, Signale aus Digital-Touchpoints, Reaktionen auf Inhalte: alles fließt zurück und schärft das Bild.

Hier machen Tools wie CRM, Intent-Daten oder Account-Tracking erst Sinn. Nicht, weil sie hübsche Dashboards liefern, sondern weil sie helfen, die Story zu verdichten: Was bewegt diesen Kunden heute wirklich?

Präzisionshebel 2: Buying Center wirklich verstehen – nicht nur „Persona malen“

Viele ABM-Programme arbeiten mit Personas. Das ist ein Anfang, aber gerade bei Schlüsselkunden reicht eine generische „IT-Leiter-Ingrid“ oder „CFO-Klaus“ nicht aus.

In Key Accounts geht es um echte Menschen mit sehr konkreten Interessen, Ängsten und Karriereplänen. ABM wird scharf, wenn Sie für das Buying Center nicht nur Funktionen, sondern Rollen im Entscheidungsprozess verstehen.

Fragen, die Sie sich stellen sollten:

Aus diesen Antworten leiten Sie sehr konkrete, personenindividuelle Ziele und Inhalte ab. Ein Beispiel aus einem Kundenprojekt:

Gleiches Thema, komplett andere Storyline. Und genau das ist der Punkt.

Präzisionshebel 3: Relevanz in Echtzeit – vom statischen Plan zur dynamischen Orchestrierung

Der vielleicht wichtigste Hebel: Relevanz ist kein einmaliger Akt, sondern eine Folge von Timing und Kontext. Die perfekte Case Study zur falschen Zeit ist wertlos.

ABM neu gedacht bedeutet deshalb: Sie orchestrieren Aktivitäten dynamisch, entlang echter Signale aus dem Account, z.B.:

Statt einen starren Zwölf-Monats-Plan abzuarbeiten, arbeiten Vertrieb und Marketing mit einem flexiblen Maßnahmen-Backlog für jeden Account. Je nach Signalen priorisieren sie neu: Welcher Inhalt, welches Gespräch, welches Format jetzt am meisten Wirkung entfaltet.

Ein Praxisbeispiel: Vom „Großkunden im CRM“ zum echten Schlüsselkunden

Ein mittelständischer Technologieanbieter, mit dem ich gearbeitet habe, hatte einen „strategisch wichtigen“ Kunden – einen internationalen Industriekonzern. Auf dem Papier war das ein A-Account. In der Realität kamen seit Jahren nur sporadische, mittelgroße Projekte zustande.

Die Ausgangslage:

Gemeinsam haben wir den Account neu aufgerollt – mit ABM-Logik:

Nach 18 Monaten war das Bild ein anderes:

Entscheidend war nicht ein einzelnes Tool oder eine „magische“ Kampagne, sondern das Zusammenspiel: Klarer Fokus, geteiltes Verständnis, orchestrierte Aktivitäten entlang der Account-Story.

Wie Sie ABM neu aufsetzen: ein pragmatischer Fahrplan

Sie müssen kein Big-Bang-Programm starten. Im Gegenteil: Besser, Sie beginnen mit wenigen, sauber ausgewählten Accounts und lernen schnell. Ein schlanker Fahrplan kann so aussehen:

Wichtig: Halten Sie die ersten Zyklen bewusst schlank. Lieber wenige, aber präzise Aktionen, als gleich eine ganze Armada an Touchpoints. Ihr Team lernt dabei, was im jeweiligen Account wirklich zieht – und kann später skalieren.

Typische Stolperfallen – und wie Sie sie vermeiden

In vielen Projekten tauchen immer wieder ähnliche Hürden auf. Drei davon sollten Sie bewusst adressieren:

Was sich im Vertrieb wirklich ändert

ABM neu gedacht bedeutet auch: Der Alltag im Vertrieb verändert sich. Nicht radikal über Nacht, aber spürbar:

Viele Vertriebler empfinden das zunächst als Mehraufwand. Sobald aber die ersten Erfolge sichtbar werden – bessere Gespräche, weniger „Blindflüge“, klarere Roadmaps – kippt die Wahrnehmung meist schnell in Richtung Entlastung.

Wie Sie Ihre Organisation auf ABM-Kurs bringen

ABM ist am Ende weniger eine Technologiefrage als eine Haltungsfrage. Drei Impulse, mit denen Sie intern viel bewegen können:

So entsteht aus einzelnen ABM-Initiativen Schritt für Schritt eine neue Normalität im Umgang mit Schlüsselkunden: näher dran, relevanter, vorausschauender.

Wenn Sie an dem Punkt sind, an dem Ihre Schlüsselkunden nicht mehr von „Lieferant“, sondern von „Partner“ sprechen – dann sind Sie mit Ihrem neu gedachten ABM auf einem sehr guten Weg.

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