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Customer-success-management im b2b: vom abschluss zur langfristigen partnerschaft mit bestandskunden

Customer-success-management im b2b: vom abschluss zur langfristigen partnerschaft mit bestandskunden

Customer-success-management im b2b: vom abschluss zur langfristigen partnerschaft mit bestandskunden

Vor ein paar Jahren saß ich bei einem mittelständischen Maschinenbauer im Besprechungsraum. Der Vertriebsleiter klopfte zufrieden auf den Tisch: „Bernd, wir hatten unser bestes Jahr aller Zeiten. Aber trotzdem habe ich das Gefühl, dass uns die wichtigsten Kunden langsam wegrutschen.“

Die Pipeline war voll, die Abschlüsse liefen – und trotzdem bröckelten nach und nach langjährige Beziehungen. Nicht wegen eines schlechten Produkts. Sondern, weil ein Thema fehlte, das im B2B inzwischen zum Gamechanger geworden ist: systematisches Customer-Success-Management.

Warum Customer Success mehr ist als guter Service

Customer Success wird im B2B oft mit „gutem Kundenservice“ verwechselt. Ein Irrtum, der teuer werden kann.

Klassischer Service reagiert: Der Kunde meldet ein Problem, Sie lösen es. Customer Success agiert: Sie sorgen proaktiv dafür, dass der Kunde mit Ihrer Lösung dauerhaft den gewünschten Nutzen erzielt – am besten noch bevor er weiß, dass ein Problem entstehen könnte.

Oder anders formuliert:

Im B2B heißt das konkret: Ihr Job endet nicht mit der Unterschrift auf dem Vertrag, sondern mit dem nachweisbaren Erfolg beim Kunden. Und dieser Erfolg sieht je nach Branche sehr unterschiedlich aus:

Customer-Success-Management stellt diese Erfolgsdefinition ins Zentrum – und richtet alle Aktivitäten entlang des Kundenlebenszyklus daran aus.

Vom Projekt zur gemeinsamen Erfolgsgeschichte

Ein typischer B2B-Vertrieb ist stark projektgetrieben. Ausschreibung, Angebot, Verhandlung, Abschluss – nächster Kunde. Aus Sicht des Vertriebs verständlich. Aus Sicht langfristiger Profitabilität gefährlich.

Ich erinnere mich an einen IT-Dienstleister, der stolz auf seine hohe Projektanzahl war. Auf meine Frage nach der Entwicklung des Umsatzes pro Bestandskunde wurde es kurz still. Die Antwort: „Ehrlich gesagt stagniert das seit Jahren.“

Was fehlte?

Genau hier setzt Customer-Success-Management an. Es verschiebt den Fokus:

Statt einzelne Projekte abzuarbeiten, entwickeln Sie mit dem Kunden eine Art „Erfolgssystem“: wiederkehrende Abstimmungen, klare KPIs, gemeinsame Roadmaps. Der Kunde merkt: Hier denkt jemand mit. Aus Lieferantenbeziehung wird Partnerschaft.

Die wichtigsten Bausteine eines B2B-Customer-Success-Programms

Wie sieht das in der Praxis aus? Erfolgreiche B2B-Unternehmen kombinieren meist fünf zentrale Bausteine.

1. Gemeinsame Definition von „Erfolg“

Am Anfang steht eine einfache, aber oft unterschätzte Frage: Woran würden Sie in 12 bis 24 Monaten gemeinsam merken, dass das Projekt ein voller Erfolg war?

Gute Customer-Success-Teams übersetzen die Antwort in konkrete, messbare Ziele:

2. Klar definierter Verantwortlicher: der Customer Success Manager

Im B2B wird diese Rolle oft nebenbei mitgemacht: ein bisschen Account-Management, ein bisschen Service, ein bisschen Projektleitung. Das reicht auf Dauer nicht.

Ein Customer Success Manager (CSM) hat einen klaren Auftrag:

Wichtig: Ein CSM ist kein „Vertriebswolf im Schafspelz“. Er hat zwar ein kommerzielles Interesse, aber sein primärer KPI ist der Erfolg des Kunden, nicht die nächste Upsell-Quote um jeden Preis.

3. Strukturierte Onboarding-Phase

Viele Kundenbeziehungen scheitern nicht an der Lösung, sondern am Start. Das Onboarding entscheidet, ob Ihr Produkt in den Alltag des Kunden integriert wird – oder in der Schublade verschwindet.

Ein gutes Onboarding im B2B umfasst typischerweise:

4. Proaktive Betreuung im Regelbetrieb

Nach dem Go-live kommt oft: Funkstille. Man meldet sich, wenn etwas kaputtgeht – oder wenn der Vertrag ausläuft. In Zeiten steigender Wechselbereitschaft ist das ein riskanter Ansatz.

Proaktive Customer-Success-Teams:

5. Gemeinsame Weiterentwicklung und Roadmap

Besonders im B2B mit längeren Produktlebenszyklen ist entscheidend: Wie entwickeln wir die Zusammenarbeit über Jahre weiter?

Das kann beinhalten:

So entstehen Beziehungen, die nicht beim Preisvergleich im nächsten Einkaufstool enden.

So verändern sich Rollen in Vertrieb, Service und Management

Customer Success ist kein neues Etikett für alte Strukturen. Es verändert Rollen – und manchmal auch liebgewonnene Gewohnheiten.

Vertrieb: vom Jäger zum Farmer mit System

Viele Vertriebsorganisationen sind auf „Jagen“ optimiert: neue Kunden akquirieren, Deals abschließen. Customer Success verschiebt ein Stück weit die Aufmerksamkeit auf die Pflege und Entwicklung bestehender Kunden.

Das heißt nicht, dass Neukundengeschäft unwichtig wird. Aber:

Service: vom Feuerwehrmann zum Berater

Klassische Serviceabteilungen sind es gewohnt, Probleme zu löschen. Customer Success fordert sie heraus, stärker in Richtung Beratung und Prävention zu denken.

Das kann z. B. bedeuten:

Management: vom Umsatzfokus zum Ergebnisfokus

Top-Management spielt eine zentrale Rolle: Wenn intern nur Quartalsumsatz zählt, wird Customer Success kaum Priorität bekommen.

Unternehmen, die hier erfolgreich sind, verankern Customer Success in ihren Steuerungsgrößen, z. B. durch:

Messbare Erfolge: Kennzahlen für Customer Success im B2B

Ohne Messung bleibt Customer Success eine gut gemeinte Initiative. Entscheidend ist die Übersetzung in Kennzahlen – sowohl auf Ihrer als auch auf Kundenseite.

Aus Ihrer Perspektive (Anbieter)

Aus Sicht des Kunden

Hier wird es oft spannender – und anspruchsvoller, weil Sie tiefer in Prozesse und Daten des Kunden einsteigen müssen.

Je präziser Sie diese gemeinsamen Erfolgskennzahlen definieren, desto leichter wird es, den Wert Ihrer Leistung intern beim Kunden zu rechtfertigen – ein nicht zu unterschätzender Vorteil bei Budgetkürzungen.

Praktisches Vorgehen: In fünf Schritten starten

Viele Unternehmen fragen sich: „Müssen wir jetzt alles umkrempeln?“ Nein. Customer Success lässt sich gut schrittweise einführen – insbesondere im B2B-Mittelstand.

Schritt 1: Kundensegmente und Potenziale analysieren

Starten Sie mit einer einfachen Segmentierung Ihrer Bestandskunden:

Konzentrieren Sie Ihre ersten Customer-Success-Aktivitäten auf 10–20 Schlüsselkunden.

Schritt 2: Gemeinsame Erfolgsdefinitionen erarbeiten

Führen Sie mit diesen Kunden strukturierte Gespräche über Erfolg. Nicht im Verkaufsmodus, sondern im „Wir-wollen-Ihren-Erfolg-besser-verstehen“-Modus.

Ergebnis sollte sein:

Schritt 3: Verantwortlichkeiten klären

Benennen Sie für Ihre Pilotkunden jeweils eine verantwortliche Person als Customer Success Manager – auch wenn diese Rolle anfangs noch neben anderen Aufgaben läuft.

Wichtig sind:

Schritt 4: Regelkommunikation etablieren

Richten Sie mit den Pilotkunden feste Gesprächsformate ein, z. B. vierteljährliche Business Reviews. Agenda-Vorschlag:

Schritt 5: Lernen, anpassen, skalieren

Nach 6–12 Monaten Pilotphase sollten Sie genug Lernkurve aufgebaut haben, um Strukturen zu verfestigen:

Typische Stolperfallen – und wie Sie sie vermeiden

Aus Projekten mit Kunden kenne ich ein paar wiederkehrende Fallstricke. Wenn Sie sie kennen, sparen Sie sich manche Schleife.

Stolperfalle 1: Customer Success als „Vertriebsverlängerung“ missbrauchen

Wenn jeder Termin des CSM als getarnter Verkaufsversuch erlebt wird, verlieren Sie Vertrauen. Setzen Sie konsequent den Kundenerfolg an erste Stelle – der Mehrumsatz kommt dann meist von allein.

Stolperfalle 2: Zu komplex starten

Manche Unternehmen definieren erst ein halbes Dutzend neue Rollen, Tools und Prozesse, bevor der erste Kunde überhaupt einen Unterschied merkt. Besser: klein anfangen, mit echten Kunden lernen, dann systematisieren.

Stolperfalle 3: Fehlende Datenbasis

Customer Success ohne Daten ist wie Autofahren ohne Tacho. Sorgen Sie früh dafür, dass Sie:

Stolperfalle 4: Keine interne Verankerung

Wenn Customer Success nur ein „Projekt des Marketings“ oder „Spielwiese eines Bereichsleiters“ ist, versandet das Thema schnell. Es braucht Sponsorship aus der Geschäftsführung – und eine klare Einbettung in die Unternehmensstrategie.

Ausblick: Vom Lieferanten zum strategischen Partner

Warum lohnt sich dieser ganze Aufwand? Weil sich das Kräfteverhältnis im B2B seit Jahren verschiebt:

Bleibt als stabiler Differenzierungsfaktor: Wie gut Sie den Erfolg Ihrer Kunden verstehen – und wie konsequent Sie darauf hinarbeiten.

Customer-Success-Management ist dafür kein Hype aus der Softwarewelt, sondern ein strategischer Ansatz, der sich auf nahezu jede B2B-Branche übertragen lässt – vom Anlagenbau über technische Dienstleistungen bis hin zu Beratungen.

Wenn Sie sich fragen, wo Sie anfangen sollen, vielleicht mit einer einfachen, aber wirkungsvollen Frage an Ihre wichtigsten Bestandskunden:

„Was müssten wir in den nächsten 12 Monaten gemeinsam erreichen, damit Sie rückblickend sagen: Das war eines der besten Partnerschaftsjahre mit uns?“

Die Antworten darauf sind oft der beste Startpunkt für ein echtes Customer-Success-Programm – und für den Weg vom einmaligen Abschluss zur belastbaren, langfristigen Partnerschaft.

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