Aktu b2b

Industrial internet of things: wie vernetzte produkte neue servicemodelle ermöglichen und wiederkehrende umsätze schaffen

Industrial internet of things: wie vernetzte produkte neue servicemodelle ermöglichen und wiederkehrende umsätze schaffen

Industrial internet of things: wie vernetzte produkte neue servicemodelle ermöglichen und wiederkehrende umsätze schaffen

Wenn ich heute mit Geschäftsführern aus dem Maschinenbau, der Logistik oder der Gebäudetechnik spreche, höre ich immer wieder denselben Satz: „Wir wissen, dass wir irgendwas mit Industrial IoT machen müssen – aber womit fangen wir an, ohne uns zu verzetteln?“

Gute Nachricht: Sie müssen weder die perfekte Plattform erfinden noch morgen zum Software-Unternehmen werden. Aber Sie sollten verstehen, wie vernetzte Produkte neue Servicemodelle ermöglichen – und wie daraus wiederkehrende Umsätze entstehen, die Ihr Geschäftsmodell stabiler und planbarer machen.

Was Industrial Internet of Things im Alltag wirklich bedeutet

Hinter dem Buzzword „Industrial Internet of Things“ (IIoT) steckt im Kern etwas sehr Handfestes:

Es geht also nicht um Technik „um der Technik willen“, sondern darum, die Nutzung Ihrer Produkte in Service-Wert zu verwandeln. Sobald Sie nicht nur das Produkt, sondern auch dessen Verhalten im Feld kennen, öffnen sich neue Geschäftsmodelle.

Ein paar typische Beispiele aus der Praxis, wie ich sie in Projekten immer wieder sehe:

Allen gemeinsam: Der Umsatz verschiebt sich von einmaligen Investitionen hin zu laufenden Gebühren.

Warum vernetzte Produkte die Basis für wiederkehrende Umsätze sind

Wiederkehrende Umsätze sind der Traum vieler B2B-Unternehmen – und gleichzeitig eine ihrer größten Baustellen. Ein Produkt, das vernetzt ist, löst drei typische Probleme klassischer Hardware-Hersteller:

Mit anderen Worten: Vernetzte Produkte sind der notwendige Enabler, um von „Einmal-Umsatz + Ersatzteile“ zu „laufenden Serviceumsätzen“ zu wechseln.

Typische IIoT-Servicemodelle, die wirklich funktionieren

Schauen wir uns die häufigsten Servicemodelle an, die ich in erfolgreichen IIoT-Projekten sehe – und was dahinter steckt.

Remote Monitoring & Condition Monitoring als Service

Das ist der „Einstiegsklassiker“. Ihre Maschine oder Anlage sendet Zustandsdaten an eine Plattform. Sie (oder der Kunde) sehen in einem Dashboard:

Daraus lässt sich ein Service-Paket schnüren, zum Beispiel:

Rechnung: als monatliche oder jährliche Gebühr pro Anlage, Maschine oder Standort.

Performance-basierte Serviceverträge

Der nächste Schritt: Sie verkaufen nicht nur „Wartung nach Plan“, sondern garantieren eine Leistung, zum Beispiel:

Industrial IoT ist hier der Schlüssel, weil Sie nur mit Echtzeitdaten:

In der Praxis sehen diese Verträge oft so aus:

Für viele Kunden ist das höchst attraktiv. Statt „Wartung nach Aufwand“ (mit unklaren Kostenrisiken) bekommen sie planbare Kosten + zugesicherte Leistung.

Product-as-a-Service (und warum es nicht immer „All-in-Miete“ sein muss)

Oft wird IIoT mit „Pay-per-Use“ oder „Product-as-a-Service“ in Verbindung gebracht: Der Kunde kauft die Maschine nicht mehr, sondern zahlt pro Nutzungseinheit. Beispiel:

Das kann sinnvoll sein, ist aber ein großer Schritt – sowohl finanziell (Investitionsrisiko beim Hersteller) als auch organisatorisch (Abrechnung, Vertragslaufzeiten, Restwerte etc.).

In vielen Projekten hat sich gezeigt: Ein gestuftes Vorgehen ist pragmatischer:

Vernetzte Produkte brauchen Sie für alle drei Phasen – aber Sie müssen nicht sofort das Rad neu erfinden. Bauen Sie erst Lernkurven auf, bevor Sie Ihr komplettes Geschäftsmodell drehen.

Data-as-a-Service: Wenn Nutzungsdaten selbst zum Produkt werden

Ein oft unterschätzter Hebel: Die Daten, die Ihre vernetzten Produkte erzeugen, sind nicht nur für den einzelnen Endkunden wertvoll, sondern auch übergreifend.

Aus aggregierten und anonymisierten Daten lassen sich Services ableiten wie:

Solche Mehrwert-Analysen lassen sich als eigener Service verkaufen – oft an andere Stakeholder im Unternehmen, etwa Management, Controlling oder Technikleitung. Hier entstehen häufig zusätzliche, margenstarke Umsatzquellen.

Ein Praxisbeispiel aus dem Maschinenbau

Ein mittelständischer Sondermaschinenbauer (rund 200 Mitarbeitende), den ich vor ein paar Jahren begleitet habe, war typische „Old Economy“: hervorragende Ingenieure, super Maschinen, Service eher „mitlaufend“. Ersatzteilgeschäft lief, aber man war stark abhängig von zyklischen Investitionsphasen der Kunden.

Startpunkt war eine einfache Beobachtung: Die meisten Serviceeinsätze wären vermeidbar gewesen, wenn man den Zustand der Anlage vorher gekannt hätte. Also die Frage: „Können wir unsere Steuerung um ein Connectivity-Modul erweitern und zumindest die wichtigsten Daten nach außen bringen?“

Das Team hat mit einem einzigen Maschinentyp angefangen und nur fünf Kennzahlen übertragen:

Technisch kein Hexenwerk, aber mit spürbarem Effekt. Innerhalb eines Jahres sind daraus drei Service-Bausteine entstanden:

Das Spannende: Rund 40 % der Bestandskunden für diesen Maschinentyp haben das Monitoring innerhalb von zwei Jahren zugebucht – zum jährlichen Fixpreis. Der Geschäftsführer formulierte es später so: „Wir haben gemerkt, dass nicht die Technik das Problem war, sondern unser eigener Mut, mit einem einfachen Angebot rauszugehen.“

Wie Sie pragmatisch starten – ohne Großprojekt

Die größte Falle bei IIoT: Man plant zu groß. Fünf-Jahres-Roadmap, Plattformauswahl, Konzernstandard, 20 Use Cases parallel. Zwei Jahre später: viel PowerPoint, wenig Umsatz.

Deutlich erfolgversprechender ist ein schrittweiser Ansatz:

Industrial IoT ist kein IT-Projekt, sondern ein Geschäftsmodell-Projekt mit technischem Unterbau. Wer das verinnerlicht, stellt andere Fragen – und kommt schneller zu wiederkehrenden Umsätzen.

Was sich intern verändern muss: Organisation schlägt Technologie

Viele Unternehmen unterschätzen, was IIoT-Services intern auslösen. Drei typische Baustellen begegnen mir fast immer:

Technisch sind viele Mittelständler längst in der Lage, vernünftige IIoT-Lösungen zu bauen oder einzukaufen. Die größere Herausforderung liegt in den Köpfen und Strukturen.

Typische Stolpersteine – und wie Sie sie umgehen

Aus vielen Projekten kristallisieren sich einige Muster heraus, die Sie besser vermeiden:

Was Kunden wirklich interessiert – und was nicht

Kunden fragen selten: „Welche IoT-Plattform nutzen Sie?“ oder „Mit welchem Protokoll senden Sie die Daten?“

Sie fragen:

Ihre Kommunikation – im Vertrieb, im Marketing, in Präsentationen – sollte genau diese Fragen adressieren. Technische Tiefe ist wichtig, aber eher als „zweite Ebene“ für die Experten auf Kundenseite.

Der strategische Hebel: Vom Produktlieferanten zum Betriebs-Partner

Industrial IoT ist mehr als ein zusätzliches Servicepaket. Richtig umgesetzt, verändert es Ihre Marktposition:

Und vielleicht der wichtigste Punkt: Sie rücken automatisch näher an das eigentliche Geschäftsmodell Ihrer Kunden. Wer versteht, wie mit der eigenen Maschine dort Wert geschaffen wird, findet weit mehr als nur einen neuen Service. Er findet oft den Schlüssel zu einer langfristigen Partnerschaft.

Wenn Sie also das nächste Mal über „Industrial IoT“ stolpern, übersetzen Sie es innerlich in: „Wie kann ich mit vernetzten Produkten dauerhaft Mehrwert schaffen – und mir diesen Mehrwert fair und wiederkehrend bezahlen lassen?“

Genau dort beginnt die spannende Arbeit.

Quitter la version mobile