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Wie sie mit datenbasiertem vertrieb verborgene umsatzpotenziale heben und forecast-genauigkeit erhöhen

Wie sie mit datenbasiertem vertrieb verborgene umsatzpotenziale heben und forecast-genauigkeit erhöhen

Wie sie mit datenbasiertem vertrieb verborgene umsatzpotenziale heben und forecast-genauigkeit erhöhen

Datenbasierter Vertrieb klingt für viele mittelständische B2B-Unternehmen immer noch nach Buzzword-Bingo: CRM, BI, KI, Scoring-Modelle. Gleichzeitig höre ich in Gesprächen mit Geschäftsführern und Vertriebsleitern ständig die gleichen Sätze:

„Wir haben so viel Potenzial im Bestand, aber keiner hebt es richtig.“
„Unsere Forecasts liegen regelmäßig 20–30 % daneben.“

Beides hängt fast immer am gleichen Thema: Es wird zu wenig mit Daten gearbeitet – und zu viel mit Bauchgefühl. Und ja: Erfahrung bleibt wichtig. Aber sie wird deutlich wertvoller, wenn sie sich an harten Fakten reiben darf.

In diesem Artikel zeige ich, wie Sie mit datenbasiertem Vertrieb verborgene Umsatzpotenziale heben und Ihre Forecast-Genauigkeit messbar erhöhen – ohne Ihren Vertrieb in ein steriles Excel-Labor zu verwandeln.

Was datenbasierter Vertrieb (wirklich) bedeutet – und was nicht

Viele verbinden mit „datenbasiert“ sofort KI, teure Tools und ein Data-Warehouse-Projekt. In der Praxis bedeutet es erst einmal etwas viel Einfacheres:

Sie treffen Vertriebsentscheidungen systematisch auf Basis von Zahlen, Mustern und Fakten – nicht nur auf Basis von Meinungen, Gewohnheiten und Lautstärke im Meeting.

Ein datenbasierter Vertrieb heißt konkret:

  • Sie wissen, welche Kundensegmente profitabel sind – und welche nur Zeit fressen.
  • Sie erkennen früh, welche Leads wirklich kaufbereit sind – und welche nur schauen wollen.
  • Sie sehen, wo im Funnel Deals typischerweise stecken bleiben – nicht nur, wo es sich gerade so „anfühlt“.
  • Sie können erklären, warum ein Forecast bei X Mio. liegt – und nicht einfach „aus dem Bauch“ schätzen.
  • Wichtig: Es geht nicht darum, den Vertrieb zu „entmenschlichen“. Daten ersetzen keine Beziehung, sie verbessern die Priorisierung. Ihr bester Vertriebler bleibt wichtig – aber er arbeitet dort, wo die Hebel am größten sind.

    Warum jetzt? Drei Entwicklungen, die Sie nicht ignorieren sollten

    Im B2B-Vertrieb kippt das Spielfeld gerade leise, aber deutlich:

  • Einkäufer sind informierter denn je, bevor sie überhaupt mit Ihrem Vertrieb sprechen.
  • Wettbewerber investieren massiv in CRM, Marketing Automation und Analytics.
  • Die Kosten für Tools und Dateninfrastruktur sind dramatisch gesunken.
  • Heißt: Was vor fünf Jahren „Nice-to-have“ war, ist heute Wettbewerbsfaktor. Wer seine Vertriebskapazität immer noch nach Bauchgefühl verteilt, verschenkt jeden Monat messbar Umsatz – vor allem im Bestandsgeschäft.

    Verborgene Umsatzpotenziale: Wo sie wirklich liegen

    Wenn ich in Unternehmen hineinschaue, finde ich die größten ungenutzten Potenziale selten bei „mehr neuen Leads“, sondern an Stellen wie:

    Bestandskunden: Der vergessene Goldschatz

    Viele Vertriebe sind kulturell auf Jagen statt Pflegen ausgerichtet. Die Hunters holen Neugeschäft, der Rest passiert irgendwie nebenbei.

    Mit Daten lässt sich das drehen:

  • Cross-Selling-Potenziale: Welche Kunden nutzen nur einen Teil Ihres Portfolios, obwohl vergleichbare Kunden das volle Programm kaufen?
  • Up-Selling-Potenziale: Welche Kunden sind auf einem kleineren Paket, verhalten sich aber wie Großkunden (Nutzung, Umsatz, Wachstum)?
  • White Spots: In welchem Kundensegment haben Sie gute Erfolgsquoten – aber viel zu wenige aktive Kunden?
  • Ein einfaches Beispiel aus einem Projekt: Ein Maschinenbauer hat seine Bestandskunden nach Umsatz, Bestellfrequenz und Produktmix segmentiert. Ergebnis: Eine Kundengruppe mit mittlerem Umsatz, hoher Bestellfrequenz, aber extrem eingeschränktem Produktnutzungsgrad. Nach gezielten Kampagnen und persönlichen Gesprächen wuchs der Umsatz in diesem Segment um 18 % in zwölf Monaten – ohne einen einzigen neuen Lead.

    Abwanderungsrisiken früh erkennen – bevor der Kunde „plötzlich weg“ ist

    Wenn ein Kunde offiziell kündigt, ist er intern oft schon vor Monaten „innerlich ausgestiegen“. Daten helfen, diese Phase sichtbar zu machen.

    Typische Frühindikatoren für Abwanderung (Churn) sind zum Beispiel:

  • Sichtbar sinkende Bestellfrequenz
  • Reduziertes Auftragsvolumen pro Bestellung
  • Rückgang der Produktnutzung (im SaaS-Bereich besonders gut messbar)
  • Zunahme von Reklamationen oder negativem Feedback
  • Kontaktpersonen wechseln und es gibt keinen echten Beziehungsübergang
  • Wenn Sie diese Muster im CRM oder BI-System sichtbar machen, kann der Vertrieb proaktiv reagieren: nachfragen, Gegenangebote machen, Probleme lösen. Oft reichen kleine Interventionen, damit der Kunde bleibt – aber nur, wenn Sie rechtzeitig merken, dass etwas kippt.

    Preispotenziale: Wo Sie sich systematisch unter Wert verkaufen

    Preisgespräche sind emotionale Minenfelder. Viele Vertriebsmitarbeiter gehen lieber einen Schritt zu weit mit dem Rabatt, als einen Konflikt zu riskieren.

    Daten schaffen hier einen Rahmen:

  • Welche Rabatte sind in welchem Segment und bei welcher Dealgröße historisch üblich?
  • Ab welcher Rabattstufe sinkt Ihre Marge unter eine rote Linie?
  • Wo gewinnen Sie fast alles – ein deutliches Zeichen, dass Sie zu günstig sind?
  • Ein Vertriebsleiter sagte mir einmal nach einer Auswertung: „Wir haben gedacht, wir sind teuer. In Wahrheit sind wir nur laut im Preisgespräch – und danach sehr schnell kompromissbereit.“ Die anschließende, datenbasierte Rabattpolitik brachte im ersten Jahr über 2 Prozentpunkte mehr Deckungsbeitrag – ohne einen einzigen neuen Kunden.

    Priorisierung von Leads: Wer ist wirklich „heiß“?

    Viele Organisationen kennen das Bild: Die besten Vertriebler verbringen ihre Zeit mit den freundlichsten, nicht mit den kaufbereitesten Kontakten.

    Lead-Scoring – manuell oder algorithmisch – hilft, Prioritäten zu setzen. Dabei fließen zum Beispiel ein:

  • Firmografische Daten (Branche, Unternehmensgröße, Region)
  • Verhaltensdaten (Website-Besuche, Downloads, Events, Interaktionen)
  • Historische Erfolgsquoten nach Segment
  • Kontaktintensität und Reaktionsgeschwindigkeit
  • Der Vertrieb sieht dann nicht mehr nur eine lange Liste offener Leads, sondern eine sortierte Liste mit „Wahrscheinlichkeit x potenziellem Umsatz“. Plötzlich hat Zeitaufwand eine klare Rendite.

    Forecast-Genauigkeit: Weg vom „Daumenpeil“ hin zu belastbaren Zahlen

    Forecasts sind für viele Geschäftsführer ein Dauerfrust: Entweder sind sie zu optimistisch, oder so konservativ, dass sie nichts mehr wert sind. Das Problem liegt selten an bösem Willen – sondern an fehlender Systematik.

    Klare Pipeline-Definition statt Bauchgefühl

    Ein häufiger Fehler: Vertriebsphasen sind vage definiert („interessiert“, „in Verhandlung“). Jeder versteht darunter etwas anderes. Entsprechend schwanken die Forecasts.

    Datenbasierter Vertrieb beginnt hier mit Klarheit:

  • Jede Phase im Sales Funnel ist klar, objektiv und beobachtbar definiert.
  • Für jede Phase gibt es eine historisch belegte Abschlusswahrscheinlichkeit.
  • Diese Wahrscheinlichkeiten werden regelmäßig überprüft und angepasst.
  • Ein Beispiel: „Phase 3 – Angebot vorgelegt“ bedeutet nicht mehr „wir haben mal etwas geschickt“, sondern:

  • Qualifizierter Entscheider bekannt
  • Budget bestätigt
  • Klare Timeline vereinbart
  • Angebot deckt konkret abgestimmten Bedarf ab
  • Erst dann kommt der Deal in diese Phase – und bekommt die dazugehörige Wahrscheinlichkeit.

    Historische Daten nutzen statt Wunschdenken

    Ihr CRM ist – wenn es halbwegs ordentlich gepflegt ist – ein Schatz an Forecast-Informationen. Sie können zum Beispiel auswerten:

  • Wie viele Deals pro Phase schließen Sie durchschnittlich ab?
  • Wie lange verweilen Deals typischerweise in einer Phase?
  • Welche Dealgrößen haben welche typische Quote?
  • Welche Segmente sind volatil, welche stabil?
  • Aus diesen Mustern lässt sich ein Forecast-Modell bauen, das nicht mehr (nur) auf der Einschätzung einzelner Personen basiert, sondern auf Ihrem tatsächlichen Verhalten der letzten Jahre.

    Qualitative Einschätzung + Daten: Die beste Kombination

    Ich rate Unternehmen selten, „den Menschen aus dem Forecast zu nehmen“. Ein erfahrener Key-Accounter weiß oft Dinge, die in keinem System stehen: politische Konstellationen, interne Konflikte, persönliche Dynamiken.

    Der Trick ist, beides zu kombinieren:

  • Basismodell: statistisch aus historischen Daten
  • Abweichungen: nur mit Begründung („Sonderprojekt“, „ausschließlich auf CEO-Level verhandelt“, „gesetzlich bedingter Handlungsdruck“)
  • So bleiben Erfahrung und Fingerspitzengefühl wichtig – aber sie wirken als Ergänzung, nicht als alleinige Grundlage.

    Praxisbeispiel: Wie ein Mittelständler in sechs Monaten seine Forecast-Genauigkeit verdoppelt hat

    Ein produzierendes B2B-Unternehmen (ca. 80 Mio. Umsatz) kämpfte mit Forecast-Abweichungen von regelmäßig 25–30 %. Der Vertrieb war frustriert, die Geschäftsführung auch. Die Reaktion: mehr Meetings, mehr Druck, mehr Excel. Gebracht hat es erwartbar wenig.

    Der Wendepunkt kam, als wir drei einfache Schritte gegangen sind:

  • Phase-Definition geschärft: Jede Vertriebsphase bekam klare, überprüfbare Kriterien. Deals wurden einmalig „bereinigt“ und neu zugeordnet.
  • Historische Daten analysiert: Drei Jahre CRM-Daten wurden ausgewertet. Wir haben Abschlusswahrscheinlichkeiten pro Phase und Segment definiert.
  • Transparenz geschaffen: Der Forecast wurde für das gesamte Vertriebsteam sichtbar gemacht – inklusive der Abweichungen zwischen persönlicher Einschätzung und Datenmodell.
  • Nach sechs Monaten lag die durchschnittliche Abweichung bei 10–12 %, nach einem Jahr bei unter 8 %. Interessanter Nebeneffekt: Die interne Diskussion im Vertriebsmeeting hat sich verändert – weg von „Ich glaube, dass …“ hin zu „Die Daten zeigen …, und zusätzlich sehe ich …“.

    Wie Sie starten, ohne gleich ein Data-Lake-Projekt zu starten

    Viele Unternehmen warten mit datenbasiertem Vertrieb, weil sie glauben, erst „die perfekte Datenbasis“ schaffen zu müssen. Das ist ein Irrtum – und eine bequeme Ausrede.

    Starten Sie pragmatisch mit drei Fragen:

    Welche drei Kennzahlen bringen für uns den größten Hebel?

    Statt 50 KPIs empfehle ich zum Einstieg drei harte Größen, z. B.:

  • Neukundenumsatz nach Segment
  • Bestandskundenwachstum (Net Revenue Retention)
  • Forecast-Genauigkeit in % (Forecast vs. Ist)
  • Alle weiteren Analysen sollten darauf einzahlen. Alles andere ist Nice-to-have und kann später kommen.

    Wo liegen unsere wichtigsten Daten heute?

    Typischerweise verteilen sich Vertriebsdaten auf:

  • CRM-System (Kontakte, Deals, Aktivitäten)
  • ERP (Umsätze, Margen, Zahlungsziele)
  • Marketing-Tools (Kampagnen, Leads, Engagement)
  • Service-Systeme (Tickets, Reklamationen, Zufriedenheit)
  • Sie müssen das nicht von Tag eins an perfekt integrieren. Starten Sie mit CRM + ERP und einer einfachen Export-Analyse (z. B. in Power BI, Tableau oder sogar Excel). Oft genügt das für erste Aha-Effekte.

    Welche Verhaltensänderung erwarten wir konkret vom Vertrieb?

    Daten ändern nichts – solange sich das Verhalten nicht ändert. Deshalb sollten Sie klar formulieren:

  • Was sollen Vertriebler ab morgen anders tun?
  • Wie fließen Daten in Priorisierung, Besuchsplanung, Angebotsstrategien ein?
  • Woran messen wir, dass sich wirklich etwas verbessert?
  • Ohne diese Fragen wird Datenarbeit schnell zur reinen Fleißübung („noch ein Dashboard“, „noch ein Report“), ohne Impact auf Umsatz oder Forecast.

    Typische Stolpersteine – und wie Sie sie umgehen

    Aus der Praxis sehe ich immer wieder die gleichen Fehler, wenn Unternehmen „datengetrieben“ werden wollen:

  • Zu viel auf einmal
    Man startet mit einem riesigen BI-Projekt, dashboards für alles und jeden, und nach sechs Monaten ist die Luft raus. Besser: Ein klarer Use Case (z. B. „Churn reduzieren“ oder „Forecast-Genauigkeit verbessern“), dann fokussiert darauf hinarbeiten.
  • Keine Daten-Hygiene im CRM
    Wenn Phasen, Beträge, Wahrscheinlichkeiten und Aktivitäten im CRM nicht sauber gepflegt werden, kann kein Modell der Welt verlässliche Forecasts liefern. Hier braucht es klare Regeln, einfache Masken und konsequente Führung.
  • Daten ohne Kontext
    Ein Dashboard alleine verändert kein Verhalten. Die Führung muss interpretieren, hinterfragen und Entscheidungen daran ausrichten. Sonst werden Reports zum digitalen Papiertiger.
  • Vertrieb wird nicht früh eingebunden
    Wenn Datenprojekte „aus der IT kommen“, ohne den Vertrieb mitzunehmen, entsteht Widerstand: „Die da oben haben sich wieder was ausgedacht.“ Binden Sie Top-Performer ein, holen Sie Feedback, zeigen Sie persönliche Vorteile (z. B. bessere Zielerreichung, weniger Blindflüge).
  • Wie Sie Ihre Mannschaft für datenbasierten Vertrieb gewinnen

    Am Ende entscheidet nicht die Technologie, sondern die Kultur. Drei Hebel haben sich im Mittelstand als besonders wirksam erwiesen:

  • Vorleben statt verordnen
    Wenn Geschäftsführung und Vertriebsleitung in Meetings mit Daten arbeiten, sich kritische Fragen stellen („Warum ist unsere Quote in Segment A schlechter als in B?“), zieht das Team nach. Wenn oben weiter nur nach Gefühl entschieden wird, machen neue Dashboards keinen Unterschied.
  • Positive Beispiele sichtbar machen
    Highlighten Sie Vertriebler, die durch datenbasierte Priorisierung konkret erfolgreicher wurden: „Thomas hat seine Abschlussquote im Segment X verdoppelt, seit er Leads nach Scoring abarbeitet.“ Geschichten wirken stärker als Folien.
  • Nicht mit Kontrolle beginnen
    Wenn Daten nur als Instrument der Überwachung wahrgenommen werden, gehen die Schotten dicht. Starten Sie mit Nutzen für den Vertrieb: bessere Vorbereitung, weniger Blindtermine, klarere Pipeline, gezielter Support.
  • Checkliste: Erste Schritte zu mehr Umsatzpotenzial und Forecast-Genauigkeit

    Zum Abschluss eine kompakte Checkliste, mit der Sie morgen starten können:

  • CRM-Pipeline überprüfen: Sind die Phasen klar, messbar und einheitlich definiert?
  • Historische Daten auswerten: Abschlussquoten, Durchlaufzeiten, Segmentunterschiede.
  • Top-3-Hebel definieren: z. B. Cross-Selling im Bestand, Churn-Reduktion, Forecast-Genauigkeit.
  • Ein erstes, einfaches Scoring-Modell für Leads oder Bestandskunden schaffen.
  • Ein gemeinsames Vertriebs-Dashboard etablieren, das in jedem Meeting genutzt wird.
  • Verhaltensänderung definieren: Was macht der Vertrieb ab nächstem Monat anders?
  • Erfolge sichtbar machen: kleine Quick Wins feiern, um Akzeptanz zu stärken.
  • Datenbasierter Vertrieb ist kein Raketenprogramm, sondern ein Weg aus vielen pragmatischen Schritten. Wer diesen Weg jetzt geht, schafft sich einen Vorsprung, der sich in den kommenden Jahren direkt in stabileren Prognosen, besseren Margen und nachhaltigeren Kundenbeziehungen auszahlen wird.

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